Über die letzten Monate habe ich einiges an Lesestoff "abgearbeitet" und daraus möchte ich euch heute die Bücher vorstellen, die mich am meisten begeistert haben. Lesen ist für mich ein absoluter Luxus; die Zeit zu finden in ein Buch einzutauchen und bestenfalls ein paar Stunden ungestört darin zu lesen ist die allerschönste Beschäftigung, die ich mir vorstellen kann. Vielleicht ist der eine oder andere Buchtipp für euch dabei. 

Ich bin raus _ Robert Wringham

Ich bin raus. Wege aus der Arbeit, dem Konsum und der Verzweiflung (Robert Wringham, Heyne Verlag)

Hand aufs Herz! Wer von euch hat nicht auch schon mal daran gedacht auszusteigen, seinem aktuellen Leben den Rücken zu kehren und mit dem Rucksack die Panamericana zu bereisen? "If you can dream it, you can do it!" heißt es doch so ermutigend. Aber dann verwirft man diese Pläne doch wieder als zu unrealistisch und fällt zurück in den Alltagstrott. Aber irgendwie lässt uns das Thema nicht los - irgendwie rumort da etwas im Gebälk. Ein Trend geht um. 

Seit einiger Zeit lesen und hören wir vermehrt von Menschen, auch in unserem Freundes- und Bekanntenkreis, die nicht mehr so viel Arbeiten möchten, die "Downshiften" weil sie die Erfüllung nicht mehr in einem 60 Stunden Job finden, sondern eher im Durchstreifen der Natur oder bei der Beschäftigung mit ihren Kindern. Gar nicht so wenige nehmen finanzielle Risiken auf sich und kündigen ihren sicheren Job um sich mit einer Tätigkeit, die zuvor eher nur ein Hobby war, selbstständig zu machen. Da wird aus dem Anwalt plötzlich ein Zuckerlmacher und ein It-Manager  zum Bauern. Das wenn du denen mal beim Studium erzählt hättest :) Der Erfolg und die Anerkennung im Job wird jetzt getauscht gegen ein ein Leben mit weniger materiellem Wohlstand aber viel Zeit für sich und seine wirklichen Vorlieben. Aber wer bezahlt jetzt eigentlich die Rechnungen? 

Robert Wringham dreht in seinem Buch den Spieß einfach um und stellt die provokante Frage, ob wir überhaupt Rechnungen bezahlen müssten, wenn wir uns nicht für unsere "unsinnigen" und "unglücklich" machenden Bürojobs mit Konsumgütern, wie dem neuesten Smartphone oder einer sündteuren Designertasche belohnen müssten? Die Lektüre des Buchs macht großen Spaß: Wringham philosophiert über Wege aus der Konsumgesellschaft, spürt unseren Existenzsorgen und Sicherheitsbedenken nach und zeigt auf, wie unbegründet diese manchmal sein können und wie viel Freiheit in einem selbstbestimmten Leben möglich ist. Für mich persönlich keine 1:1 Anleitung aber dennoch ein kurzweiliger Augenöffner, der hilft, viele Dinge klarer bzw. aus einer anderen Perspektive zu betrachten und einige angeblich unveränderbare Tatsachen zumindest in Frage zu stellen. In einigen Stichwörtern zusammengefasst dreht sich dieses Buch um die Themen Minimalismus, Freiheit, Selbstbestimmtheit und Konsumkritik. Es ist jedoch kein Leitfaden, sondern bietet eher Denkanstöße wie man sein Leben etwas umgestalten könnte, sofern man mit dem Status quo unzufrieden ist. 

Das Kind in dir muss Heimat finden

Das Kind in dir muss Heimat finden (Stefanie Stahl, Kailash Verlag)

Seit ich Mama bin, setze ich mich viel intensiver mit meinem (Seelen)Leben auseinander als zuvor. Ein Kind großzuziehen, ohne die geringste Ahnung zu haben, wie das im besten Fall funktionieren soll, finde ich manchmal beängstigend. Schließlich kann man hier viel kaputt machen ohne es zu wissen oder zu wollen. Deshalb interessierte mich auch Stefanie Stahls' Buch: es hat mich dazu ermuntert, mich meinen eigenen Erfahrungen zu stellen und dadurch eine intensivere Beschäftigung mit meinem "inneren Kind" aufzunehmen.

Das zuvor theoretisch Besprochene wird in dem Buch durch zahlreiche Übungen begleitet, die ich aber nicht immer ganz nachvollziehen konnte bzw. die mir ehrlicherweise manchmal einfach zu mühsam zum Ausprobieren vorkamen.

"Erfolgsautorin Stefanie Stahl hat einen neuen, wirksamen Ansatz zur Arbeit mit dem "inneren Kind" entwickelt. Er geht von einem verletzten "Schattenkind" aus, in dem unsere negativen Glaubenssätze und die daraus resultierenden belastenden Gefühle abgespeichert sind. Wenn wir Freundschaft mit ihm schließen, lässt sich das "Sonnenkind" befreien - unser lebenszugewandter, freudiger und starker Wesenskern, der glückliche Beziehungen und ein Leben in Fülle erst möglich macht".

Spannend ist diese Reise zurück in die eigene Vergangenheit allemal und ich bin überzeugt davon, dass man durch die bewusste Auseinandersetzung mit prägenden Ereignissen aus der Kindheit seine gegenwärtigen Verhaltensweisen besser verstehen und im optimalsten Fall sogar seine Zukunft zum Positiven verändern kann.

Sind wir allein im Universum Lisa Kaltenegger

Sind wir allein im Universum? Meine Spurensuche im All (Lisa Kaltenegger mit Mandy Fischer, Ecowin)

Vor Wissenschaftlerinnen wie Lisa Kaltenegger, einer Pionierin auf ihrem Fachgebiet der Astronomie und Astrophysik, und Professorin an der Cornell Universität im Bundesstaat New York, habe ich den allergrößten Respekt. Meine schwächsten Fächer in der Schule waren die naturwissenschaftlichen. Zugegeben, damals haben mich weder Physik noch Mathematik oder Chemie wirklich interessiert. Mittlerweile finde ich es sehr schade, dass ich damals nicht genauer aufgepasst habe, bin aber davon überzeugt, dass die Wissensvermittlung in den Schulen besser gelingen könnte. Gerade für Mädchen, denen vielleicht die Begabung für naturwissenschaftliche Fächer von vornherein weniger zugetraut wird. 

Lisa Kaltenegger, übrigens im idyllischen Kuchl bei Salzburg geboren, ist es mit diesem Buch gelungen, auf einfache und vor allem spannende Weise die detaillierte Spurensuche nach lebenswerten Planeten in unserem Universum zu beschreiben. Ihre Begeisterung für dieses Thema ist auf jeder Seite spürbar, man merkt, dass es ihr ein großes Anliegen ist, diese für die allermeisten Menschen unverständliche Thematik von Milchstraßen, Sonnensystemen und fremden Galaxien so einfach wie möglich nahezubringen. Physikalisches Grundwissen wurde sicherlich noch nicht so oft auf so unterhaltsame Weise erläutert. 

Ob es wirklich noch anderes Leben im All gibt, lässt sich natürlich nicht mit absoluter Sicherheit sagen, aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch und noch nie waren wir so nah daran diese aufzuspüren. Die Reise mit Lisa Kaltenegger durch den Weltraum ist spannend wie ein Krimi und dabei äußerst kurzweilig unterstützt durch die vielen lustigen Illustrationen von Mandy Fischer. Eine absolute Empfehlung für alle Träumer und Sternengucker unter euch :)

Jesper Juul Leitwölfe sein

Leitwölfe sein. Liebevolle Führung in der Familie (Jesper Juul, Beltz)

Wenn es um das Thema Kindererziehung geht, ist ja eigentlich jeder ein "Experte". So scheint es zumindest. Das macht sich bereits bemerkbar, bevor Kinder überhaupt auf der Welt sind, denn gerade werdende Mütter sind ungefragte Empfänger einer Fülle an vermeintlich "gut gemeinten" Tipps. Unglaublich wie viele Menschen sich berufen fühlen einem zu sagen, welche die einzig richtige Art ist ein Kind zu erziehen, das man genau genommen noch nicht einmal kennt ;) In dieser sensiblen Phase locker zu bleiben uns auf die eigenen Instinkte zu vertrauen ist da gar nicht so einfach. 

Der beste Rat, den ich jemals dazu erhalten habe, war jener meiner wunderbaren Hebamme Julia: "Sei authentisch. Sei so, wie du bist, und verstell dich nicht. Hör auf deine Instinkte und es wird für dich und dein Baby passen." Ihre unaufgeregte und bodenständige Art war das Beste, was mit in der ersten Babyzeit passieren konnte. Und genau das mag ich auch an Jesper Juul. Seine komplett unaufdringliche,  lockere und unaufgeregt Art und Weise sein Wissen aus vielen Jahren Berufserfahrung weiterzugeben.  Das Sympathische an dem Buch ist außerdem, das hier kein fix vorgegebener Leitfaden zum perfekt dressierten Kind vorgebetet wird, denn das ist ganz und gar nicht Juuls Stil.


"Kindern kann nichts Besseres passieren als Eltern, die liebevoll ihre Führungsrolle in der Familie wahrnehmen. Klare Entscheidungen treffen, dabei auch Unpopuläres durchsetzen und zu einem zeitgemäßen Autoritätsverständnis finden - der erfahrene Familientherapeut ermutigt Mütter und Väter, einen Führungsstil zu entwickeln, an dem alle wachsen: Kleinkind, Teenager und nicht zuletzt die Eltern selbst."

Seine Ratgeber bieten immer noch genug Spielraum für den Leser um eigene Schlüsse zu ziehen und bieten sinnvolle Anregungen im liebevollen Umgang mit den Kids. Vor allem finde ich es toll das ich selber an dem Buch wachsen kann. Ich sträube mich dagegen, meinem Kind etwas aufzuoktroyieren, sondern möchte mich ihm gemeinsam entwickeln. Schließlich bin vor allem ich in meiner neuen Rolle als Mama gefordert und in diese Verantwortung zu schlüpfen ist tatsächlich nicht immer einfach. Mein Wunsch wäre es, meinem Kind eine vertrauensvolle Instanz und auf liebevolle Weise ein "Leuchtturm" zu sein, vollkommen ohne unsinnige Machtspielchen, bei denen es für niemanden etwas zu gewinnen gibt. Juul bestärkt Eltern eine Beziehung auf Augenhöhe mit dem Kind einzugehen, ohne den Anspruch auf Vorbildwirkung zu verlieren. 

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